Domainwahl der steuerberatenden Berufe (3)

Praktische Konsequenzen

Wie so oft ist die Praxis auch im Falle der Domainwahl den Vorgaben durch die Rechtsprechung weit vorausgeeilt. Noch bevor der Bundesgerichtshof in seiner Grundsatzentscheidung die Zulässigkeit von Gattungsbegriffen als Domainnamen feststellte und sich in der Rechtsprechung die Zulässigkeit kombinierter Domains aus Berufsbezeichnung und Ort durchsetzte, waren bereits generische Begriffe als Schlüsselwörter in Domainnamen begehrt und schon häufig durch Berufsangehörige besetzt.

Unter den Gattungsbegriffen steuerrecht.de, internationales-steuerrecht.de, vorsteuerverguetung.com, bilanzerstellung.de, steuergestaltung.com, wegzugsbesteuerung.com, steuerberatung.atwirtschaftspruefung.net, wirtschaftsprüfungsgesellschaft.de u.v.m. findet man heutzutage im Internet Berufsangehörige und ihre Gesellschaften.

Ebenso steigender Beliebtheit erfreuen sich – auch vor dem einschlägigen Urteil des OLG Hamm – mit Ortszusätzen kombinierte Berufsbezeichnungen wie
steuerberater-hamburg.de, steuerberater-bremen.com, steuerberater-ingolstadt.desteuerberatung-muenchen.de, steuerberatung-regensburg.de u.v.m..

Es stellt sich die Frage, wieso gerade generische Domains einen solchen Aufschwung erleben, während das Interesse an den Standard-Domains wie steuerberater-maier.de oder  wirtschaftspruefer-mueller.de abflaut?
Es ist unmittelbar einsichtig, dass jemand, der über eine Suchmaschine (oder gar als Type-In) „steuerberater + maier“ sucht, den Gesuchten bereits kennt oder zumindest von ihm gehört hat. Neue Mandanten lassen sich mit einem solchen Domainnamen daher i.d.R. kaum akquirieren. Selbst wenn die Webseite in Design und Usability nicht zu überbieten ist, eine Werbeeffekt im Sinne von Mandantenakquisition ist damit kaum zu erzielen.

Hat der potentielle Mandant dagegen ein Problem, das durch einen generischen Begriff beschrieben werden kann, z.B.  mit der Vorsteuervergütung im Ausland und gibt diesen Gattungsbegriff in eine Suchmaschine ein – im günstigsten Falle sogar als Type-In in den Browser -, so sind die Chancen groß, auf einen spezialisierten Berater zu stoßen, der dieses Schlüsselwort als Domain verwendet .
Sicherlich ist der Domainname nur ein Faktor, der in die Platzierung bei den Suchmaschinen einfließt, aber dafür ein sehr wichtiger. Beherzigt der Wirtschaftsprüfer/Steuerberater die üblichen Ratschläge der Suchmaschinen-Optimierung  (SEO= Search Engine Optimization) bei der Erstellung seiner Webseite, so dürfte ein vorderer Rang in der Ergebnisliste so gut wie sicher sein.
Wie wichtig eine vordere Platzierung in den Suchmaschinen ist, zeigt die sog. Eyetracking-Studie zur Aufmerksamkeitsverteilung auf Google-Suchergebnisseiten , die vom „Bundesverband der digitalen Wirtschaft“ erst kürzlich vorgestellt wurde . Danach nimmt die Aufmerksamkeit des Suchers schon auf der ersten Ergebnisseite von oben nach unten ab. Eine Platzierung von 1 bis 3 in der Ergebnisliste sollte durch entsprechende SEO-Maßnahmen unbedingt angestrebt werden, um einen optimalen Marketingeffekt zu erzielen.

Darüber hinaus minimieren generische Begriffe – etwa im Vergleich zu Fantasiebezeichnungen – mögliche rechtliche Konflikte durch das Namens- und Markenrecht sowie in eingeschränktem Umfang auch durch das Wettbewerbsrecht.

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